Opel Magazin: Generation E

Zwei Opel unter Strom
GT & Ampera.

1971 stellt ein Opel GT mit Elektroantrieb Weltrekorde auf. 2011 trifft der Prototyp auf seinen Erben aus der Großserie, den wegweisenden Opel Ampera – aus der Zukunft ist Wirklichkeit geworden.

Ahnenreihe

Vor 40 Jahren setzte sich der Elektro GT auf der Rennstrecke durch, heute punktet der Ampera im Alltag.

Es ist Mai, und auf dem Hockenheimring zeigt Opel die Zukunft: Nach sechs neuen Weltrekorden in der Sprintdisziplin, aufgestellt bei stehendem und fliegendem Start über Distanzen zwischen 500 Metern und 10 Meilen, tritt der silberne Elektro GT im Jahr 1971 zum nächsten, bahnbrechenden Rekordversuch an, einer Langstreckenfahrt über 100 Kilometer bei konstant Tempo 100 – und rollt nach 44 Kilometern völlig ausgepowert aus. Die hochmodernen Nickel-Kadmium-Batterien des Versuchsträgers sind auf Maximalleistung ausgelegt, nicht auf Reichweite. 

Bis ein Opel mit Elektroantrieb über ausreichend Kraft und Saft verfügen wird, um mit vergleichbaren Benzinern und Dieselautos im Alltag mithalten zu können, werden noch 40 Jahre vergehen: bis zur Premiere des Opel Ampera im September 2011. Der ist ganz auf Alltagstauglichkeit ausgelegt.

Von der 64. IAA in Frankfurt am Main geht ein Signal aus, in Europa begründet der Ampera ein neues Fahrzeugsegment. Als erstes Serienfahrzeug verbindet er den Elektroantrieb mit einem Range Extender, der über einen Generator den Elektroantrieb mit Strom versorgt. 40 bis 80 Kilometer können so rein elektrisch zurückgelegt werden, danach liefert ein 1,4-Liter-Benziner die nötige Kraft für größere Distanzen und macht grenzenlose Mobilität möglich.

Im roten Bereich

Der Innenraum des Elektro GT tut nur wohnlich, bei den Rekordfahrten hatte neben den Batterien nur der Fahrer Platz.

Der Ampera ist der vorläufige Höhepunkt einer technischen Entwicklung, die viel älter ist, als viele denken. Denn schon 1901 fuhr die Hälfte aller Wagen in New York mit Strom. Als das Automobil noch in den Kinderschuhen steckte, war längst nicht klar, welche der drei konkurrierenden Antriebsarten zur treibenden Kraft der Zukunft werden würde. Dampf, Benzin oder Elektrizität? Erst als der GM-Ingenieur Charles F. Kettering 1911 den elektrischen Anlasser erfand, war das mühsame Ankurbeln des Triebwerks passé – der Siegeszug des Verbrennungsmotors hatte begonnen.

Bei General Motors beginnt das Revival in den 1960er-Jahren. Personen- und Lieferwagen werden experimentell mit Elektromotoren bestückt, Höchstgeschwindigkeit und Reichweite verdoppeln sich. Als 1969 der Mensch den Mond betritt, ist ein von GM und Boeing konstruiertes Mondfahrzeug dabei: Der allradgelenkte Lunar Rover trägt einen Elektromotor in jedem Rad und fährt mit der Kraft des Stroms. Drei Lunar Rover stehen noch heute auf dem Mond – weil ihre Batterien nicht aufgeladen werden konnten, wurden sie zwischenzeitlich geparkt.

An lange Strecken jenseits der anstehenden 100-Kilometer-Rekordfahrt denkt Georg von Opel 1971 nicht. Der Frankfurter Autohändler will internationale Rekorde in der Klasse elektrisch angetriebener Fahrzeuge brechen. Zwei Gleichstrom-Motoren samt Regelelektronik von Bosch treiben den aerodynamisch optimierten Opel GT an. Schlank und durchtrainiert sieht der Elektro GT aus, doch unter dem leichten Äußeren des grazilen Sportcoupés steckt schwer wiegende Technik. Allein 590 Kilogramm wiegen die Energiespeicher. 120 PS leistet der Elektro GT, kurzzeitig sind 160 PS möglich.

Am 17. Mai 1971 geht Georg von Opel am Steuer des Prototypen in Hockenheim auf Rekordjagd. Über 188 km/h beträgt die Spitze, mit der er einige Kurzstreckenrekorde aufstellt. Am zweiten Tag werden zwei weitere Rekorde über die Distanz von zehn Kilometern erreicht. Mit einem Frontspoiler, aerodynamischen Verkleidungen für die Räder und einer strömungsgünstigen Abrisskante am Heck wird der Elektro GT danach für weitere Einsätze überarbeitet und optimiert. 

So wenig Georg von Opel, ein Enkel des Firmengründers Adam Opel, vor 40 Jahren an Alltagseinsätze und gängige Kriterien wie Komfort, Nutzwert und Wirtschaftlichkeit dachte, so fern ist dem Ampera des Jahres 2011 dessen radikale Auslegung als Sport- und Rekordwagen. Stilvoll und alltagstauglich kommt er daher, mit vier Türen, fünf Sitzplätzen, umlegbaren Rücksitzen und einem gut nutzbaren Kofferraum. Die Lithium-Ionen-Akkus, bestehend aus 288 Zellen und 198 Kilogramm schwer, sitzen platzsparend und schwerpunktgünstig in einem Mitteltunnel am Unterboden. 1971 holte der Elektro GT Rekorde, 2011 gewinnt der neue Opel Ampera den Alltag.

Generationenvertrag

Im Mai 1971 ging der Elektro GT zu Rekordfahrten auf die Rennstrecke, sechs Weltrekorde fuhr das Versuchsfahrzeug Georg von Opels auf Kurzstrecken heraus. Im Gegensatz zum Elektro GT beherrscht der Ampera auch die langen Distanzen: Ein Benzinmotor als Reichweiten-Verlängerer garantiert grenzenlose Mobilität.


Kleiner Vater, großer Sohn

Kleiner Vater, großer Sohn: Der GT kommt in Platzangebot und Ausstattung nicht an den Ampera heran.

Geschichte des Elektroautos

1881 Gustave Trouvé stellt auf der Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris ein dreirädriges, elektrisch angetriebenes Automobil vor.

1882 In Berlin entwickelt Werner von Siemens eine pferdelose Elektrokutsche, das Elektromote, das seine Kraft aus einer Stromleitung bezieht – der erste Oberleitungsbus der Welt.

1899 Der Belgier Camille Jenatzy stellt mit seinem Elektrorennwagen „La Jamais Contente“ (die nie Zufriedene) mit Stromlinienkarosserie einen neuen Rekord auf: Mit 105,882 km/h fährt ein Elektroauto erstmals schneller als 100 km/h.

1900 Ferdinand Porsche baut in Wien das erste Hybridauto, den Lohner-Porsche „Semper Vivus“ (immer lebendig). Zwei Benzinmotoren treiben Generatoren an, welche die Batterien laden, die die Nabenmotoren in den Vorderrädern mit Strom versorgen.

1911 Charles F. Kettering erfindet den elektrischen Anlasser, der erstmals in einem Cadillac verbaut wird.

1996 GM stellt den EV-1 (Electric Vehicle 1) vor, den ersten batteriegetriebenen Serien-Pkw seit über 50 Jahren. Die Spitze des 1.117 Mal gebauten Zweisitzers liegt bei 129 km/h, die Reichweite bei rund 220 Kilometern.

2010 Start der Serienfertigung des Chevy Volt, des US-amerikanischen Schwestermodells des Opel Ampera.

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