das schönste
Dorf der Welt
Wenn Matthias Schmidt nicht Werbung für Opel macht, erkundet er seine neue Heimat, Europas Umwelthauptstadt, mit dem Fahrrad.
Zu Hause im Dorf: Kreativvorstand Matthias Schmidt zog von Berlin nach Hamburg. Er mag die „kleine“ Stadt.
Für Matthias Schmidt, Partner und Kreativvorstand der Werbeagentur Scholz & Friends, ist Hamburg, die 1,8-Millionen-Metropole, das „schönste Dorf der Welt“. Der 41-Jährige, der vor fünf Jahren aus Berlin kam und dessen Agentur seit 2011 die Werbung für Opel verantwortet, meint das nicht böse. Im Gegenteil. Schmidt schätzt die Überschaubarkeit der Elbperle: „Ich wohne im Stadtteil Eimsbüttel, also relativ zentral. Alle wichtigen Punkte der Stadt erreiche ich mit dem Rad in 20 Minuten.“
Schmidt ist drahtig, durchtrainiert, manchmal joggt er sogar die sechs Kilometer zwischen Wohnung und Büro. Er fährt ein Mountainbike von Opel mit 27 Gängen. „Genau so brauche ich das“, sagt Schmidt, der einst als Fahrradkurier jobbte. Drei Touren hat er zu seiner Arbeitsstelle ausgeknobelt, die verschiedene Höhepunkte der Stadt streifen. Die schnellste führt durch das Schanzenviertel, wo sich alternative Kultur und moderne Medienwelt die Hände reichen. Sie streift St. Pauli jenseits des Rotlichtmilieus und führt von den Landungsbrücken die Elbe am Hafen entlang.
Hafen historisch: In den Lagerhallen des ehemaligen Freihafens entstehen Kreativbüros, gleich nebenan wird die neue Hafencity gebaut.
Die eleganteste zieht sich zuerst durch Harvestehude und Rotherbaum. Dann führt sie durch „Planten un Blomen“, den Park mit Tropenhaus und japanischem Garten, und dann geht es über Staatsoper und Rathaus Richtung Hafen. Die schönste Route setzt einen Tick nördlicher an, um dann nur eine Richtung zu kennen: immer an der Alster lang. Auf der einen Seite weite Wiesen und 200 Jahre alte Eichen, japanische Kirschblüten und südländische Mandelbäume, auf der anderen Trauerweiden.
Alle drei Wege enden stets am Sandtorkai in der Hafencity, direkt neben der noch im Bau befindlichen Elbphilharmonie. Dort hat die Agentur Scholz & Friends in einem modernen Bau aus Glas und Klinker ihren Sitz. Aus seinem Büro blickt Schmidt, der den Toten-Hosen-Klassiker „Opel-Gang“ auf der Gitarre auf Lagerfeuerniveau spielen kann, über den Hafen bis fast zum Sandstrand in Övelgönne.
Schon diese drei Touren zeigen die Vielfalt: Es gibt das Hamburg der ehrbaren Kaufleute und ihrer herrschaftlichen Kontore ebenso wie das des Hafens, wo man „Mach hin“ raunzt, statt hanseatisch steif „Könnten Sie vielleicht …“ zu bitten. Eines, wo alternative Lebensformen erprobt werden, und eines, wo man Mode aus Kaschmir sowie gigantische Geländewagen schätzt. Es gibt den etabliert-langweiligen Hamburger SV und den cool-rockerigen FC St. Pauli, Hummerimbisse und Hafenkneipen, schlagfertige Huren in kniehohen Stiefeln und Pixel-Nerds, die Hamburg zum Standort für IT-Entwicklung gemacht haben. Das frankophile Café Paris schräg gegenüber dem Rathaus wiederum hat das Hamburger Nationalgericht Labskaus auf der Speisekarte. Und selbst in den Straßennamen finden sich die Extreme: Eine heißt „Unterm Durchschnitt“, eine andere „Toller Ort“.
Vielfalt ist, zumindest für einen Werber, der in Sekunden überzeugen muss, ein wenig problematisch. „Das Hoch im Norden“ klingt kühl, nach Nieselregen, obwohl Hamburg mit der Zahl seiner Sonnenstunden deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt. „Das Tor zur Welt“ ist angesichts des drittgrößten Hafens Europas, des wirtschaftlichen Muskels der Stadt, zwar gerechtfertigt, wird aber gern gekontert mit: eben nur das Tor, haha.




