Opel Magazin: Testfahrt GTC

„Das kann doch nicht
so schwer sein.“

Mit dem GTC auf der Opel Teststrecke in Dudenhofen – da können wir richtig Tempo machen, dachten wir und trafen uns zu einer Tour mit dem ehemaligen Le-Mans-Sieger Joachim Winkelhock. Der ließ uns zunächst weit abgeschlagen zurück. Und zeigte uns dann ein paar Tricks, die auch im Alltag viel wert sind.

Test Center Dudenhofen

Opel Test Center Dudenhofen im Regen Die Realität lässt sich am Computer nur begrenzt simulieren. Opel bringt kein Modell auf den Markt, das nicht vorher extreme Prüfungen auf echten Strecken bestanden hat. 1966 hat der Automobilhersteller dafür das Testgelände im hessischen Rodgau-Dudenhofen eröffnet. Rund 200 Mitarbeiter sind auf dem Gelände tätig – und das rund um die Uhr.

HIGHSPEED-TRACK

Der äußere Ring des Opel Testzentrums besteht aus einer einzigen Schrägkurve. Hier werden Autos intensiven Dauerbelastungen ausgesetzt.

Es regnet in Strömen, die Straße ist glitschig. Als der Fahrer auf die Bremse tritt und scharf einlenkt, werfen mich die Fliehkräfte zur Seite. Schon haben wir die Kurve hinter uns, er gibt wieder Gas. Leicht schockiert schaue ich nach links, doch der Mann wirkt so entspannt, als käme er geradewegs von der Massagebank. „Geiler Wagen“, sagt er und peilt die nächste Kurve an. Joachim Winkelhock versteht sein Metier. 1999 gewann er das prestigeträchtigste Rennen der Welt – die 24 Stunden von Le Mans. Heute arbeitet er als Markenbotschafter für Opel, wo ihn alle nur „Jockel“ nennen. Wir wollten wissen, was er von Opels neuem Sportwagen hält: dem Astra GTC, dessen Serienversion auf der IAA in Frankfurt vom 15. bis 25. September Weltpremiere feiert.

Kurzerhand besorgten wir uns einen Prototypen, ließen in Opels Test Center Dudenhofen Strecken sperren – und luden Jockel auf eine Trainingseinheit im Regen ein. Es zeigte sich, dass der Profi und das neue Astra Coupé schnell Freunde.

1. PARCOURS

Wir starten mit einem klassischen Sicherheitstraining. Dafür baut Jockel einen Slalomparcours auf: rot-weiße Pylonen im Abstand von 18 Metern, eine rutschige Fahrbahn im Dauerregen – die Strecke hat es in sich. Für den Profi ist das kein Problem: Souverän umkurvt er die Hindernisse. Zum Abschluss dann ein Stunt: Beim Rückwärtsfahren bremst er abrupt ab, schlägt das Lenkrad ein, prompt dreht sich der Wagen um 180 Grad. Das jedoch, sagt er, gehöre nicht zum Training.

Ich nehme es bedauernd zur Kenntnis – und versuche mich zunächst im Slalomfahren. Mehr schlecht als recht steuere ich den GTC durch den Parcours; wenigstens bleiben alle Pylonen stehen. Von flüssigem Fahren kann keine Rede sein, mehrmals muss ich stark abbremsen, um die Kurve zu kriegen.

Jockel lässt mich die erste Runde gewähren, dann geht es ans Eingemachte: Zuerst soll ich meine Sitzposition überprüfen. „Wenn ich mich so weit zurücklehnen würde, könnte ich auch keinen Slalom fahren“, sagt er. Ich bin überrascht – eigentlich habe ich den Sitz vorher justiert. Ich soll einen Arm ausstrecken und das Lenkrad am obersten Punkt anpacken. Mein Ellbogen ist fast durchgedrückt. Das sei typisch, die meisten Leute seien zu weit vom Steuerrad entfernt, sagt Jockel. „Mit einem ausgestreckten Arm hat man keine Kraft, der Arm sollte angewinkelt sein.“ Nächste Korrektur: Die Hände sollten in der Mitte von beiden Seiten das Lenkrad fassen – ich greife zu weit oben. „Mit der Handposition sollte der Fahrer stark einschlagen können, ohne mit den Armen übergreifen zu müssen“, sagt Jockel. Ich beherzige die Ratschläge – und tatsächlich: Das Lenken fällt mir leichter. Der Trainer gibt weitere Tipps: Lenken nicht mit dem Körper oder dem Handgelenk, sondern mit kleinen Bewegungen der Arme. Nach drei Runden kurve ich viel souveräner durch den Parcours.

2. HIGHSPEED-TRACK

Mission erfüllt – es geht ab auf die 4,8 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke: ein Rundkurs mit einer Neigung von bis zu 37 Grad. Hier kann man Gas geben. Bei der zweiten Runde zeigt eine Anzeige am Rand 198 Stundenkilometer an. Jockel fährt auf der obersten Spur. Ich schaue aus dem Beifahrerfenster und sehe im steilen Winkel auf die unteren, nassen Spuren. Dem tiefergelegten Astra GTC machen weder Regengüsse noch Steilhangfahren etwas aus: Er klebt auf der Straße.

Jockel schaltet den Sportmodus ein: Das verringert die Dämpfung und lässt Lenkung, Gaspedal und Getriebe schneller ansprechen. Alternativ gibt es den Standard- und den Tour-Modus – für entspanntes Langstreckenfahren. Die Modi gehören zum FlexRide-Fahrwerk: Das passt die Dämpfung automatisch an Straßenbedingungen, Kurvengeschwindigkeit und Fahrstil an.

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