Links: Das Display eines Zulieferers an Frau Schroedters Bürowand zeigt Federn, Klammern und Schrauben. Rechts: Gehören auch in den Zuständigkeitsbereich des Gruppenleiters Reiner Schmidt: Kopfstützenhülsen.
Während früher ein Autositz aus einem mit Stoff bezogenen Gestänge bestand, ist er heute ein Hightechprodukt. Aus 600 Einzelteilen besteht er, Belüftung und Heizung müssen darin untergebracht sein, Luftkissen und Airbags, Gurtstraffer und die dazugehörigen Sensoren und Elektromotoren.
Die Ansprüche an Sitze von Opel sind hoch. Opel selbst hat die Latte auf die oberste Stufe gelegt. Die Entwicklung eines mit dem AGR-Siegel, dem Siegel der Aktion Gesunder Rücken, ausgezeichneten Sitzes durch Leuchtmanns Team hat internationale Maßstäbe gesetzt. Der 50-Jährige weiß, dass seine Kollegen bei der Konkurrenz voll Anerkennung auf den mit dem AGR-Siegel ausgezeichneten Sitz schauen. Jeder zweite Insignia-Käufer entscheidet sich für den ergonomisch optimalen Sitz. „Gerechnet“, so Leuchtmann, „hatten wir mit 15 Prozent.“
Rund 200 Prototypen eines Sitzes werden gefertigt, bis jenes Optimum erreicht ist, das in Serie geht. „Der Sitz ist das Komplizierteste am Innenraum“, sagt Leuchtmann. Während für die Käufer der Komfort im Vordergrund steht, müssen die Ingenieure Komfort, Sicherheit und das Ziel der Gewichtsreduzierung unter einen Hut bringen. „Das Wichtigste ist, dass ein Sitz stabil ist“, so Leuchtmann. „Im Falle eines Crashs muss er auch eine 120 Kilo schwere Person im Sitz halten. Zugleich wollen wir eine Leichtbauweise umsetzen und eine filigrane Kinematik realisieren. Das bekommen Sie nur hin, wenn Sie über viel Know-how und Erfahrung verfügen.“
Ob die Ergebnisse aus Kopfarbeit und Umsetzung durch die Lieferanten so sind, wie die Opel Entwickler sich das vorstellen, kann im wahrsten Sinne des Wortes nur erfahren werden. Tausende von Kilometern legen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zurück. In Italien ebenso wie in den Pyrenäen und auf gefrorenen Seen in Schweden bei minus 30 Grad. „Wichtig ist, dass unterschiedlich große Personen fahren“, sagt Entwicklungsingenieur Gerhard Koch. Um eine große Bandbreite abzudecken, sollten weibliche Testfahrer möglichst klein sein. „Popometer“ nennt die Fachwelt die Möglichkeit, an jene gefühlten Werte zu kommen, die kein technisches Messinstrument erfassen kann.
Andrew Leuchtmann weiß, dass er die vielen verschiedenen Opel Sitze mit verbundenen Augen, allein durchs Fühlen erkennen kann. Nicht nur, dass die von Opel entwickelten Sitzstrukturen jetzt in fast allen Fahrzeugen der GM-Gruppe zum Einsatz kommen, in einem Astra ebenso wie im Chevrolet oder Buick, sie haben Opel auch im internationalen Sitzvergleich an die Spitze gebracht. Ihr neuester Coup, das flexible Sitzsystem des Zafira, wird garantiert von Paukenschlägen begleitet werden.




